Diabetiker, die Insulin spritzen müssen, können zwischen verschiedenen Insulinen wählen. Die meisten Patienten verwenden heute gentechnisch hergestelltes Humaninsulin, das dem Insulin aus der menschlichen Bauchspeicheldrüse entspricht. Eine Alternative sind die ebenfalls gentechnisch hergestellten Insulinanaloga. Sie haben eine andere chemische Struktur, so dass ihre Blutzucker senkende Wirkung etwas rascher einsetzt und nicht so lang anhält wie die der Humaninsuline. Zusatznutzen nicht belegt

Ob Kinder und Jugendliche mit <sondertextlink>20k57|Typ-1-Diabetes</sondertextlink> von einer langfristigen Behandlung mit diesen kurzwirksamen Insulinanaloga mehr Vor- oder Nachteile haben als von Humaninsulin, bleibt mangels geeigneter Studien unklar. Die verfügbaren Studienergebnisse liefern jedenfalls keine Belege für einen Zusatznutzen. Das gilt sowohl im Vergleich zu Humaninsulin als auch im Vergleich der Analoga untereinander. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Langzeituntersuchungen fehlen Geprüft hat das IQWiG alle drei in Deutschland zugelassenen Analogwirkstoffe: Insulin Aspart (Handelsname: Novorapid®), Insulin Lispro (Handelsname: Humalog®, Liprolog®) und Insulin Glulisin (Handelsname: Apidra®). Die Studien liefen zwischen 24 und 26 Wochen, in einem Fall 12 Monate. Studien mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr gibt es derzeit nicht. Weil Insulin aber gerade in der Wachstums- und Entwicklungsphase des Menschen vielfältige Funktionen hat und es unklar ist, wie sich Insulinanaloga dabei auswirken, wären Studien mit längerer Laufzeit dringend notwendig. "Dass Studien fehlen ist gerade bei Kindern und Jugendlichen ein unhaltbarer Zustand", sagt IQWiG-Leiter Professor Dr. med. Sawicki. "Typ-1-Diabetes tritt meist bereits im Kindes- und Jugendalter auf und die Patientinnen und Patienten müssen das Insulin ein Leben lang spritzen. Wir kennen heute bereits mehr als 100 verschiedene Wirkungen von Insulin, das sind aber längst nicht alle. Gerade wenn sie in der Wachstumsphase verabreicht werden, müssen sie besonders sorgfältig in Studien überprüft werden". Möglicher Schaden unzureichend untersucht Da geeignete mehrjährige Studien fehlen, sind zum Schadenpotenzial der kurzwirksamen Insulinanaloga kaum Aussagen möglich. In einigen der Studien traten bei Patienten, die Insulinanaloga spritzten, häufiger schwerwiegendeStoffwechselentgleisungen auf. Die Unterschiede waren aber nicht statistisch signifikant, es könnte sich also um eine reine Zufallsbeobachtung handeln. Aufgrund der kurzen Beobachtungsdauer und der wenigen Ereignisse lässt sich nicht sagen, ob die Verwendung von kurzwirksamen Insulinanaloga das Risiko für Ketoazidosen steigert.

 

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