Wenn der Arzt ein Medikament verschreibt, muss er nicht nur entscheiden, welches am besten geeignet ist, sondern auch wie viel der Patient davon nehmen soll. Das ist nicht immer leicht, denn zahlreiche Faktoren spielen bei der Dosierung eine Rolle. Die in der Packungsbeilage angegebene Standarddosierung ist nicht individuell auf den Patienten angepasst und wird deshalb wenn nötig vom Arzt geändert. Fehler sind dabei nicht ausgeschlossen.

Warnhinweise am PC


Das Universitätsklinikum Heidelberg hat einen elektronischen Ratgeber entwickelt, der über 38 Prozent aller Überdosierungen entdeckt und einen Großteil davon verhindert. Eine Studie mit mehr als 12.000 Verschreibungen im Krankenhaus hat gezeigt, dass Warnhinweise bei Verschreibung per PC die Zahl der Überdosierungen um 20 Prozent reduzieren.

„Überdosierungen um mindestens 30 Prozent kommen bei etwa 4,8 Prozent der Verschreibungen im Krankenhaus vor“, sagt Professor Walter Haefeli von der Universitätsklinik Heidelberg. Häufiger Grund für eine Überdosierung sei eine eingeschränkte Nierenfunktion. „Dadurch wird die Ausscheidung vieler Medikamente beeinträchtigt“, ergänzt Haefeli. Berücksichtigt der Arzt die eingeschränkte Nierenfunktion bei der Verordnung nicht, kann das lebensbedrohlich sein.

Apotheker an der Entwicklung beteiligt


Das Heidelberger System Aidklinik® lotst den Arzt durch den Arzneimittelmarkt und hilft falsche Dosierungen, Nebenwirkungen, gefährliche Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln sowie Doppelverschreibungen zu vermeiden. Neben der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg waren die Klinikums-Apotheke und der Herausgeber des Arzneimittelverzeichnisses „Gelbe Liste“ an der Entwicklung beteiligt.

Das System liefert Informationen zu maximalen Dosierungen in Abhängigkeit von acht wichtigen Patientencharakteristika wie der aktuellen Nierenleistung oder dem Alter, die alle gleichzeitig berücksichtigt werden. So berechnet es, welche Maximaldosis der Patienten verträgt. Im Einsatz ist das System unter anderem an den Universitätskliniken von Heidelberg, Hannover, Köln und Frankfurt.

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